Geschäftsbereich Dairy Ingredients

Der Geschäftsbereich Dairy Ingredients erzielte im Jahr 2016 einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 401.9 Mio. (VJ CHF 415.4 Mio.; –3.2 %). Im ersten Halbjahr kannten die Preise für den Rohstoff Milch und für die daraus hergestellten Produkte weltweit nur eine Richtung: nach unten! Ab Juli 2016 erholten sich die Milchpreise zum Teil sehr rasch und es galt, die Produktpreise auf sie abzustimmen. Die Herausforderung der optimalen Preisgestaltung gelang in den ausländischen Werken nicht in jedem Fall. In der Schweiz verringerte sich die Differenz gegenüber den internationalen Preisen im zweiten Halbjahr wieder etwas, dafür sanken die Milcheingänge im Vorjahresvergleich deutlich.

Schweiz: HOCHDORF Swiss Nutrition AG

Die eingekaufte und verarbeitete Flüssigmenge stieg im Vorjahresvergleich um 5.2 % auf 409’119 Tonnen (VJ 388’927 Tonnen). Mit der regelmässigen Herstellung von Laktose für die eigene Babynahrung stieg der Bedarf an Molke. 2016 wurden insgesamt 79’752 Tonnen Molke verarbeitet, was gegenüber Vorjahr einem Plus von +44.9 % entspricht. Die angelieferte und verarbeitete Milchmenge ging nach den sehr hohen Mengen im ersten Halbjahr stark zurück. Bis Ende Jahr verarbeiteten wir in der Schweiz 315’553 Tonnen Rohmilch, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von –2.9 % bedeutet (VJ: 324’951 Tonnen). Im ersten Halbjahr wiesen wir noch ein Milchmengen-Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von +3.5 % aus.

Mit dem Verkauf der Produkte erzielte der Bereich Dairy Ingredients Schweiz einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 211.8 Mio. (VJ CHF 227.6 Mio.; –6.9 %). Der Umsatzrückgang ist eine Folge der tiefen Rohstoffpreise, welche an die Kunden weitergegeben wurden. Wichtig ist jedoch, dass die an die Schokoladenindustrie verkaufte Menge Walzenvollmilchpulver im Vergleich zum Vorjahr um knapp 9 % gesteigert werden konnte. Dieser Mehrverkauf begründet sich erstens damit, dass wir den Marktanteil leicht ausbauen konnten und zweitens mit dem höheren Milchpulver­bedarf der Schokoladenindustrie im Vorjahresvergleich.

Um die grosse Nachfrage nach Milchprotein- und Magermilchpulver für Russland abzudecken, fehlten in der Schweiz im zweiten Halbjahr die dafür notwendigen B- oder C-Milchmengen. Damit wir die Anlagen in dieser Zeit besser auslasten konnten, bewilligte die Oberzolldirektion die Einfuhr von Magermilchkonzentrat zur Herstellung von Exportprodukten.

Innerhalb der Branchenorganisation Milch engagierten wir uns unter anderem in der Arbeitsgruppe für das Nachfolgemodell für die Ausfuhrunterstützung verarbeiteter milchhaltiger Produkte («Schoggigesetz»-Mittel). Die erarbeitete Lösung scheint uns ein guter Kompromiss und in der Praxis umsetzbar. Mit dieser Lösung können Exportprodukte mit Schweizer Milch weiterhin erfolgreich exportiert werden.

Das Projekt zur Kapazitätserweiterung am Standort Hochdorf konnte auf Ende Jahr praktisch abgeschlossen werden. Im Frühjahr 2017 werden wir dank einer Umkehrosmose-Anlage und eines modernen Hochkonzentrators eine höhere Milchmenge verarbeiten können. Gleichzeitig erhalten wir dadurch die Möglichkeit, dank den modernen Anlagen den Energiebedarf je Mengeneinheit zu senken.

Ausblick

Die Milchmenge ist gegen Ende 2016 stark zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind vielschichtig; u.a. tiefer Milchpreis, schlechte Futterqualität, Lockerung der Mengen-Einschränkung bei einigen Käsesorten. Im ersten Halbjahr 2017 rechnen wir mit einer Milchmenge, die wohl etwas unter dem langjährigen Durchschnitt liegen dürfte. Über das ganze Geschäftsjahr gesehen, erwarten wir einen Brutto-Verkaufserlös im Bereich von CHF 235 bis 245 Mio.

Unsere Entwicklungsabteilung ist mit verschiedenen Projekten zur Optimierung von bestehenden und neuen Prozessen beschäftigt. Daneben sind wir auch in mehrere kundenseitige Entwicklungsprojekte eingebunden, mit dem Ziel, das optimale Milchpulver für ein neues Produkt oder eine veränderte Rezeptur zu evaluieren. Zudem unterstützen wir mit unserem Entwicklungs- und Prozesswissen unsere ausländischen Werke in deren Projekten.

Per 1. Januar 2017 haben wir das Kondensmilch-Geschäft der Alicommerce übernommen. Damit verkaufen wir nun bisher am Standort Hochdorf hergestellte und in Tuben abgefüllte Kondensmilch direkt an den Schweizer Detailhandel. Dieses Geschäft gilt es zu integrieren.

Litauen: HOCHDORF Baltic Milk UAB

Im ersten Halbjahr konnten wir unter anderem wegen der schlechten Marktlage und der politisch begründeten hohen litauischen Milchpreise weniger Produkte herstellen als im Vorjahr. Unsere Produkte waren im internationalen Wettbewerb unter diesen Umständen nicht konkurrenzfähig. Im zweiten Halbjahr stiegen die Preise unserer Hauptprodukte zwar an, jedoch teilweise weniger rasch als die Rohstoffpreise.

Insgesamt verarbeiteten wir 60.9 Mio. kg Milch und Permeat (–19.4 % ggü. VJ) und verkauften 13’261 Tonnen Produkte auf den internationalen Märkten (–25.2 % ggü. VJ). Mit den Verkäufen erzielten wir einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 19.8 Mio. Dieser Wert liegt –21.7 % unter dem Vorjahresumsatz von CHF 25.2 Mio.

Entwicklungsseitig arbeiteten wir an der Prozess- und Produktoptimierung zur Herstellung neuer Erzeugnisse wie beispielsweise micelläres Kasein. Nachdem wir 2016 wegen der schwierigen Marktsituation auf die Vermarktung verzichteten, starteten wir nun 2017 mit dem Verkauf von micellärem Kasein.

Ausblick

Bei den Rahmenbedingungen gilt es auch in diesem Jahr, das Preisniveau von Milch, Milchprotein und Milchfett zu beachten. In den letzten Monaten sind die Preise für Milchprotein und Milchfett angestiegen – aber auch die Rohmilchpreise. Wir sind verhalten optimistisch gestimmt, dass sich das Verhältnis von Einkaufs- und Verkaufspreisen auf einem normalen Niveau einpendelt. Weiterhin ein Unsicherheitsfaktor bleibt die politische Einflussnahme auf den Milchpreis. Wir gehen aber auch hier davon aus, dass sich die Situation aufgrund der steigenden Preise wieder normalisiert.

Unter den aktuellen Bedingungen rechnen wir 2017 mit einem Brutto-Verkaufserlös im Bereich von CHF 25 bis 30 Mio.

Deutschland: Uckermärker Milch GmbH

Die Uckermärker Milch GmbH erarbeitete 2016 einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 170.3 Mio. Dieser Wert liegt +4.7 % über dem Vorjahr (CHF 162.7 Mio.). Der höhere Umsatz begründet sich mit dem starken Preisanstieg bei der Butter in der zweiten Jahreshälfte und mit der preislich attraktiveren Verwertung der Buttermilch.

Mit 271’700 Tonnen Milch, Milchpermeat, Buttermilch und Rahm verarbeiteten wir auf unseren Anlagen –8.4 % weniger Flüssigkeiten als im Vorjahr (296’696 Tonnen). Die Butterei sowie die Abfüllanlage für Buttermilch waren ganzjährig gut ausgelastet. Mitte Jahr konnten wir, wie geplant, die leistungsstärkere Abfüllanlage für Buttermilch in Betrieb nehmen. Beim Trockenmilchwerk sowie bei der Quarkerei zeigte sich über das Jahr ein unterschiedliches Bild: Im ersten Halbjahr liefen die Anlagen auf Volllast, hingegen im zweiten Halbjahr konnten die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ganz gefüllt werden.

2016 war ein Jahr mit grossen Preisschwankungen, was die Koordination zwischen Rohstoffeinkauf und Produkteverkauf stark erschwerte. Ab Mai stiegen beispielsweise die Rahmpreise stark an. Die Preise für Butter hinkten dieser Preisentwicklung hinterher. Entsprechend war das Verhältnis zwischen den Rahmkosten und dem Verkaufspreis der Butter nicht mehr optimal. Trotzdem galt es, bestehende Kontrakte zu erfüllen.

Im Pulverbereich profitierten wir im ersten Halbjahr vom staatlichen Interventionsprogramm für Magermilchpulver. In der damals vorhandenen Marktsituation wählten wir damit die sinnvollste Nutzung des Trockenwerkes.

Über das ganze Jahr hinweg setzten wir in der Produktion erfolgreich verschiedene Kostensenkungsmassnahmen um. Neben diesen technischen Massnahmen galt es, das Produktportfolio vor allem im Pulverbereich weiterzuentwickeln. Die ersten höherwertigen Pulver, wie beispielsweise Basispulver für Babynahrung oder instantisierte Milchpulver, wurden entwickelt und in Testproduktionen hergestellt.

Ende Oktober hat das Werk Prenzlau das VLOG-Audit (Lebensmittel ohne Gentechnik) bestanden und ist nun für die Verarbeitung und Herstellung von genfreien Milchprodukten zertifiziert. Damit können wir nun auch Produkte für diesen Wachstumsmarkt herstellen.

Ausblick

Der Milchmarkt in der Europäischen Union hat sich gegen Ende 2016 etwas beruhigt, bleibt aber nach wie vor anspruchsvoll. Die Milchmengen 2017 sind schwer einzuschätzen, dürften im ersten Halbjahr aber eher leicht unter oder auf Vorjahresniveau zu liegen kommen. Auch die Preisentwicklung für Magermilchpulver ist aufgrund der hohen staatlichen Lagermengen aktuell schwierig einzuschätzen. Wir rechnen im laufenden Geschäftsjahr mit einem Brutto-Verkaufserlös von CHF 180 bis 190 Mio.

In der Entwicklung konzentrieren wir uns weiterhin auf Trockenprodukte mit höherer Wertschöpfung. Dabei handelt es sich beispielsweise um instantisierte Vollmilchpulver.

Zukünftig soll das Werk Prenzlau eigenständiger werden. Das bedeutet, dass das Werk von einem erfahrenen CEO vor Ort geführt und eine eigene Einkaufs- und Verkaufsabteilung aufgebaut werden soll. Weiter ist es unser Ziel, dereinst mehr Verträge für Eigenmilch abzuschliessen und weniger Milch vom Spotmarkt zuzukaufen. Damit wir konkurrenzfähige Milchpreise bezahlen können, ist aber die Anpassung des Produktsortiments in Richtung höherwertige Produkte zwingend notwendig. Mit all diesen Massnahmen planen wir, Preisschwankungen in Zukunft besser aufzufangen.

Strategie in Kürze

Das Dairy Ingredients-Geschäft soll sich aus einer starken Schweizer Basis heraus nachhaltig international weiterentwickeln. Die Zusammenarbeit zwischen den vier Milchwerken wird optimiert und das Produktportfolio gebündelt. In der Schweiz wollen wir die Marktstellung verteidigen und unser Wissen im Bereich Walzen­​­vollmilchpulver internationalisieren. Wir wollen werkübergreifend neue Produkte mit höherer Wertschöpfung entwickeln, produzieren und vermarkten. Neue Produkte positionieren wir als Premium-Alternative mit entsprechender Dienstleistung in den Märkten. Bei all unseren Aktivitäten gilt es, die verschiedenen Rahmenbedingungen zu beachten und in die operative Umsetzung zu integrieren.

Sortiment

Rahm, Milchkonzentrate, Magermilchpulver, Vollmilchpulver, Rahmpulver, Fettpulver, Milchproteinpulver, Molkenpulver, Molkenproteinpulver, Permeatpulver, Butter, Buttermilch, Quark.

  2016 2015 2014 2013
Brutto-Verkaufserlös (in TCHF) 401’880 415’379 298’563 264’701
Umsatzanteil Ausland (in %) 55.1 55.2 26.1 24.1
Verkaufte Mengen (in Tonnen) 212’421 216’511 80’737 73’201