Geschäftsbereich Dairy Ingredients

Der Geschäftsbereich Dairy Ingredients erzielte 2015 einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 415.4 Mio. (VJ CHF 298.6; +39.1 %). Der massive Mehrumsatz ist mit der Akquisition der Uckermärker Milch GmbH begründet. In der Schweiz und in Litauen resultierte im Vorjahresvergleich aufgrund der tiefen Milchpreise, welche auch zu tieferen Produktepreisen führten, ein im Vorjahresvergleich tieferer Brutto-Verkaufserlös.

Schweiz: HOCHDORF Swiss Nutrition AG

Die eingekaufte und verarbeitete Flüssigmenge sank wie erwartet im Vorjahresvergleich um –5.4 % auf 388.9 Mio. kg (VJ 410.9 Mio. kg). Insgesamt verarbeiteten wir in den Werken Hochdorf und Sulgen mit 314.1 Mio. kg jedoch leicht mehr eigene Milch als im Vorjahr (312.9 Mio. kg). Wegen der geringeren Milchmengen im Frühjahr trockneten wir in der Schweiz deutlich weniger Milch im Lohnauftrag. Mit 55.0 Mio. kg Molke erhöhten wir die verarbeitete Molkenmenge im Vorjahresvergleich um 10.3 %.

Wichtig für den Geschäftsbereich Dairy Ingredients ist eine möglichst regelmässige Anlagenauslastung im Jahresverlauf. Diese konnten wir 2015 einerseits mit einer etwas grösseren Molkenmenge erreichen. Andererseits bewilligte uns die Oberzolldirektion im September die Einfuhr von 780 Tonnen Magermilchkonzentrat für Exportprojekte (aktiver Veredelungsverkehr) bis spätestens Ende Januar. Dieser Entscheid half uns, die Anlagen in der milcharmen Zeit besser auszulasten. Weil die Schweizer Milchmenge bereits im Dezember wieder anzog, verzichteten wir auf die Einfuhr der gesamten bewilligten Menge.

Insgesamt erzielte der Bereich Dairy Ingredients in der Schweiz einen Umsatz von CHF 227.6 Mio. (–11.8 % ggü. VJ). Begründet wird der Umsatzrückgang mit den tieferen Rohstoffpreisen, welche an die Kunden weitergegeben wurden, mit den tieferen Lohnauftragsmengen und den Währungsschwankungen bei den Exportprodukten. Der Mengenrückgang im Bereich Walzenvollmilchpulver fiel geringer aus, als wir Anfang des Jahres erwartet hatten. Demgegenüber konnten wir eine rekordhohe Menge an Milch- und Molkenprotein-Produkten verkaufen.

Die im Frühjahr mit unseren Milchlieferanten verhandelte Lösung zum Ausgleich der «Schoggigesetz»-Lücke funktionierte gut. Der Rückbehalt der Milchproduzenten wurde regelmässig den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Die Erhöhung der «Schoggigesetz»-Mittel durch das Parlament entlastete den Fonds markant. Am 19. Dezember 2015 wurde an der WTO-Ministerkonferenz in Nairobi entschieden, dass Exportsubventionen wie das Schweizer «Schoggigesetz» mit einer Übergangsfrist von fünf Jahren verboten werden.

In der Produktentwicklung arbeiteten wir neben kundenspezifischen Projekten hauptsächlich am Projekt IonEx mit. Die Anlage zur Herstellung von Laktose- und Molkenprotein-Produkten wurde im ersten Halbjahr fertiggestellt. Im zweiten Halbjahr wurden die ersten Laktose-Versuchsproduktionen durchgeführt. Die Produkte sind von hoher Qualität und können in der Babynahrung eingesetzt werden. Anfang dieses Jahres werden auf der Anlage weitere Erfahrungen gesammelt. Ab Mitte 2016 soll die Anlage der regulären Produktion übergeben werden.

Auch an den modifizierten Milchproteinen haben wir die Weiterentwicklung vorangetrieben. Wir rechnen mit einer Marktlancierung im ersten Halbjahr 2016.

Ausblick

Die Milchpreise werden sich wohl das ganze Jahr nicht wirklich erholen. Wegen der doch relativ grossen Milchmengen – in der Schweiz und international – gehen wir davon aus, dass der Milchpreis 2016 weiterhin auf dem sehr tiefen Niveau verharren wird. Wegen des guten Futters und den Mengen-Einschränkungen bei mehreren Käsesorten erwarten wir im ersten Halbjahr trotz der tiefen Preise eine relativ hohe Milchmenge zur Verarbeitung. Im Auftrag der Lactofama werden wir auch dieses Jahr Rahm exportieren und so den Schweizer Markt etwas entlasten.

Ein wichtiges Projekt wird für uns ab dem zweiten Halbjahr die Kapazitätserweiterung am Standort Hochdorf. Mittels einer Umkehrosmose-Anlage und eines Hochkonzentrators werden wir 2017 in der Lage sein, in Hochdorf deutlich mehr Milch zu verarbeiten.

Litauen: HOCHDORF Baltic Milk UAB

Die HOCHDORF Baltic Milk UAB erarbeitete 2015 einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 25.2 Mio. (VJ CHF 43.6 Mio.; –42.1 %). Das enorm hohe Umsatzwachstum 2014 kam zu einem Grossteil wegen eines Milchtauschgeschäftes mit einer litauischen Molkerei zustande. Dieser Milchtausch wurde 2015 nicht mehr getätigt. Ein weiterer Grund für den tieferen Umsatz waren die Frankenaufwertung sowie die im Vorjahresvergleich deutlich tieferen Milchpreise. Letztere mussten wir in Form tieferer Produktpreise an unsere Kunden weitergeben, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Insgesamt verkauften wir in Litauen 17’736 Tonnen Produkte. Dieser Wert liegt knapp acht Prozent über dem Vorjahreswert (ohne die Mengen des reinen Milchtausches). Die Menge konnte unter anderem wegen den 2014 durchgeführten Optimierungsmassnahmen erhöht werden.

Zusätzlich investierten wir in eine neue Ultrafiltrationsanlage. Diese konnte im November 2015 in den Testbetrieb genommen werden.

Ausblick

Die weiterhin anhaltende Importsperre für EU-Milchprodukte nach Russland sowie die Aufhebung des Quotensystems werden auch 2016 zu einer hohen Milchmenge führen. Die Preise für Milchprodukte sind aber nach wie vor auf sehr tiefem Niveau, und wir gehen aktuell nicht davon aus, dass sich die Preise bald erholen werden.

Auf Entwicklungsseite konzentrieren wir uns darauf, mit der neuen Ultrafiltrations-Anlage micelläres Kasein herzustellen. Die ersten Versuchsproduktionen verliefen erfolgreich und die Vermarktung dieses Spezialproduktes ist angelaufen. Micelläres Kasein ist ein der Strategie entsprechendes wertschöpfungsstarkes Produkt, von welchem wir bereits im laufenden Geschäftsjahr einen Erfolgsbeitrag erwarten.

Für unser Hauptprodukt, die Milchproteinpulver, konnten wir die neuen Kontrakte nicht mehr auf dem alten Preisniveau abschliessen. Seit November 2015 kamen auch diese Preise stark unter Druck. Deshalb erwarten wir mit dem aktuellen Preisumfeld ein eher schwieriges Geschäftsjahr 2016.

Deutschland: Uckermärker Milch GmbH

Die Uckermärker Milch GmbH erarbeitete 2015 einen Brutto-Verkaufserlös von CHF 162.7 Mio. Dieser Umsatz liegt aufgrund der sehr tiefen Milchpreise sowie der Frankenstärke etwas unter den Erwartungen. Zudem haben wir wegen der angespannten Marktsituation in Deutschland die Produktion von Magermilchpulver zurückgefahren. Letzteres, obwohl wir die Milch grossmehrheitlich über den Spotmarkt einkaufen. Spotmilch wurde meist günstiger gehandelt als die Vertragsmilch mit den Milchproduzenten.

Insgesamt verarbeiteten wir im Werk in Prenzlau 296.7 Mio. kg Flüssigkeit (Milch, Rahm, Buttermilch und Milchpermeat) und verkauften 135’407 Tonnen Produkte. Das im Halbjahresbericht erwähnte Buttermilch-Projekt mit Arla wurde umgesetzt und wir produzieren nun seit Dezember neben Butter, Quark und Milchpulver auch Buttermilch. Das Buttermilchgeschäft entwickelt sich wie geplant und die Mengen konnten gesteigert werden. Sollte dieser Trend anhalten, werden wir wie vorgesehen bereits im laufenden Geschäftsjahr die Abfüllkapazitäten der Buttermilchherstellung erhöhen können.

Ausblick

Im aktuellen Tiefpreis-Umfeld ist es besonders wichtig, die eigenen Kosten regelmässig zu überprüfen. Im Januar 2016 wurden entsprechende Prozesse definiert und implementiert. Dies ist umso wichtiger, weil wir keine rasche Erholung des nationalen und internationalen Milchmarktes erwarten. Entsprechend werden wir auch weiterhin den grösseren Teil der Milchmengen über den Spotmarkt beziehen.

Für den Erfolg des Trockenmilchwerkes ist es wichtig, dass wir möglichst rasch höhermargige Pulver herstellen können. Deshalb geniesst das Projekt zur Herstellung von Instant-Milchen und Base Powder eine hohe Priorität. Wir planen, bereits in der ersten Jahreshälfte entsprechende Pulver zumindest testweise produzieren zu können.

Strategie in Kürze

Das Dairy Ingredients-Geschäft soll sich aus einer starken Schweizer Basis heraus nachhaltig international weiterentwickeln. Die Zusammenarbeit unter den vier Milchwerken wird optimiert und das Produktportfolio gebündelt. In der Schweiz wollen wir die Marktstellung verteidigen und unser Wissen im Bereich Walzen­​­vollmilchpulver internationalisieren. Wir wollen werkübergreifend neue Produkte mit höherer Wertschöpfung entwickeln, produzieren und vermarkten. Neue Produkte positionieren wir als Premium-Alternative mit entsprechender Dienstleistung in den Märkten. Bei all unseren Aktivitäten gilt es, die verschiedenen Rahmenbedingungen zu beachten und in die operative Umsetzung zu integrieren.

Sortiment

Rahm, Milchkonzentrate, Magermilchpulver, Vollmilchpulver, Rahmpulver, Fettpulver, Milchproteinpulver, Molkenpulver, Molkenproteinpulver, Permeatpulver, Butter, Quark.

  2015 2014 2013 2012
Brutto-Verkaufserlös (in TCHF) 415’379 298’563 264’701 249’057
Umsatzanteil Ausland (in %) 55.2 26.1 24.1 26.4
Verkaufte Mengen (in Tonnen) 216’511 80’737 73’201 74’066