Finanzieller Lagebericht

Nettoerlöse

Die HOCHDORF-Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2021 einen Nettoerlös von CHF 140.3 Mio. (VJ: CHF 158.3 Mio.). Der Rückgang um CHF 18.0 Mio. (–11 %) resultiert aus den in 2020 getätigten Devestitionen bzw. eingeleiteten Liquidationen im Bereich Food Solutions. Die entsprechenden Unternehmen erzielten im ersten Halbjahr 2020 einen Nettoerlös von CHF 28.4 Mio. Auf vergleichbarer Basis entspricht das erzielte Resultat deshalb einem soliden organischen Wachstum von 8 %.

Der Nettoerlös des Geschäftssegmentes Baby Care sank auf CHF 27.9 Mio. (VJ: CHF 37.6 Mio. bzw. –26 %). Grund dafür war der temporäre Umsatzrückgang mit dem grössten Kunden Pharmalys Laboratories (siehe auch Ziffer 4 und 8 des Anhanges des konsolidierten Halbjahresabschlusses per 30.06.2021) sowie eine generell zurückhaltende Nachfrage der Baby Care-Kunden im ersten Halbjahr 2021.

Trotz der Auswirkungen der getätigten Desinvestitionen lag der Nettoerlös im Segment Food Solutions bei CHF 112.4 Mio. (VJ: CHF 120.7 Mio., bzw. –7 %). Das Wachstum im Kerngeschäft um CHF 20.4 Mio. kompensierte den Umsatzwegfall zu 70 % und trug zum erfreulichen Ergebnis bei. Während der Verkauf an Schoggikunden bedingt durch die Covid-19 Pandemie 2021 auf ähnlich tiefem Niveau wie im ersten Halbjahr 2020 lag, nahm der Nettoumsatz mit den Milch-/Rahmkunden überdurchschnittlich zu. Hintergrund für die Umsatzsteigerung bei den Rahmkunden ist der verbesserte Zugang zum Schweizer Milchmarkt für HOCHDORF. HOCHDORF konnte insgesamt 20 % mehr Milch einkaufen und weiterverarbeiten. Das dabei entstehende Koppelprodukt Rahm wurde in entsprechend grösserem Umfang als im Vorjahr weiterverkauft.

Bruttoergebnis, EBITDA, EBIT, Unternehmensergebnis

Basierend auf Nettoerlösen von CHF 140.3 Mio. konnte die HOCHDORF-Gruppe ein Bruttoergebnis von CHF 36.4 Mio. erzielen (VJ: CHF 48.1 Mio. inkl. CHF 3.3 Mio. von desinvestierten Einheiten), was einer unterdurchschnittlichen Marge von 21.4 % des Produktionserlöses entspricht (VJ: 27.5%). Das Bruttoergebnis ging zurück aufgrund der tieferen Volumina, eines höheren Milchpreises (+11 %), eines bewussten Lageraufbaus sowie einer temporären Umsatzmix-Verschiebung mit einem höheren Anteil im Bereich Food Solutions (Anteil 80 % im ersten Halbjahr 2021 vs. 76 % im Vorjahreszeitraum) sowie innerhalb des Segmentes Food Solutions wiederum eines gestiegenen Anteils an Milch- und Rahmprodukten.

Mit 390 Mitarbeitenden lagen die Personalkosten bei CHF 19.5 Mio. per 30.06.2021 und damit unter dem Vergleichswert 2020 von CHF 21.5 Mio. (427 Mitarbeitende per 30.06.2020). Die Reduzierung um –37 Mitarbeitende ist auf den Verkauf der Marbacher Oelmühle GmbH zum 31.12.2020 sowie auf die Schliessung des Standortes Welschenrohr zurückzuführen. Der übrige Betriebsaufwand von CHF 19.7 Mio. (VJ: CHF 21.6 Mio.) lag ebenfalls vor allem aufgrund der Desinvestitionen deutlich unter Vorjahr.

Der tiefere Bruttogewinn führte zu einem negativen EBITDA von CHF –2.8 Mio. im Vergleich zu CHF 5.0 Mio. vor einem Jahr, weil die verbesserten Kostenstrukturen bei Personal- und übrigen Betriebskosten die fehlende Marge nur teilweise kompensieren konnten.

Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten von CHF 5.8 Mio. liegen tiefer als im ersten Halbjahr 2020 (CHF 7.5 Mio.). Diese positive Abweichung resultierte vor allem aus der zum 31.12.2020 durchgeführten Wertberichtigung der Sprühturmanlage 9 und der dazugehörigen Dosenlinie 2 am Standort Sulgen. Der positive EBIT von CHF 1.2 Mio. im ersten Halbjahr 2020 enthält einen einmaligen Erfolg aus der Veräusserung von Tochtergesellschaften von CHF 3.7 Mio. (Abgang Uckermärker Milch GmbH) und ist daher nur bedingt vergleichbar mit dem im ersten Halbjahr 2021 erwirtschafteten EBIT von CHF –8.6 Mio.

Das Finanzergebnis von CHF –0.9 Mio. hat sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 durch die partielle Rückführung des Konsortialkredites, Wandlung der Schuldanleihe und Währungsgewinnen verbessert. Das Unternehmensergebnis auf Konzernebene liegt damit bei CHF –9.0 Mio. (VJ: CHF –4.0 Mio.).

Vermögenslage, Finanzierung, Geldfluss

Das Umlaufvermögen ist seit dem 31.12.2020 um CHF 21.2 Mio. auf CHF 166.1 Mio. angestiegen. Einerseits sind die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber Nahestehenden um CHF 15.8 Mio. gesunken (Zahlungseingang von CHF 26.6 Mio. und neue Lieferungen in Höhe von CHF 10.4 Mio. an den Kunden Pharmalys Laboratories SA). Andererseits haben sich die Vorräte von CHF 29.2 Mio. (31.12.2020) auf CHF 58.0 Mio. (30.06.2021) nahezu verdoppelt. Diese Zunahme ist saisonal durch das verfügbare Milchaufkommen bedingt. Im zweiten Halbjahr erwarten wir eine deutliche Reduzierung des Lagers durch Abverkäufe. Das Anlagevermögen ging vor allem aufgrund der Abschreibungen leicht von CHF 178.9 Mio. (31.12.2020) auf CHF 172.9 Mio. zurück.

Das Fremdkapital ist von CHF 143.2 Mio. (31.12.2021) auf CHF 167.5 Mio. gestiegen, durch stichtagsbedingte höhere Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und die vermehrte Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Kreditlimite um CHF 10 Mio. Die Nettoverschuldung lag per 30.06.2021 bei CHF 101.3 Mio. Aufgrund der Saisonalität des Milchgeschäftes haben der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung mit den Konsortialbanken die Prüfungsaussetzung der geforderten Finanzkennzahl «Verschuldungsfaktor» zum 30.06.2021 vereinbart. Nächster Prüftermin ist der 31.12.2021; zum 30.06.2021 liegt daher keine Verletzung der Covenants vor. Aufgrund des negativen Unternehmensergebnisses nahm das Eigenkapital leicht auf CHF 171.4 Mio. ab, entspricht aber weiterhin einer stabilen Eigenkapitalquote von 51 %.

Der Cash Flow aus den erarbeiteten Mitteln war mit CHF 0.7 Mio. leicht positiv. Durch die negative Veränderung des Umlaufvermögens von CHF –8.6 Mio. blieb der Geldfluss aus Betriebstätigkeit zwar weiterhin negativ bei CHF –7.9 Mio., zeigte sich im Vergleich zur Vergleichsperiode (CHF –15 Mio.) aber deutlich verbessert. Nach geringen Zahlungen aus Investitionstätigkeiten von CHF –1.9 Mio. ergibt sich ein negativer Free Cash Flow von CHF –9.9 Mio. Der Geldfluss aus Finanzierungstätigkeiten lag bei CHF 6.4 Mio. Insgesamt resultierte damit im ersten Halbjahr ein Mittelabfluss in Höhe von CHF –3.7 Mio., wobei der negative operative Cash Flow, vor allem getrieben durch den Aufbau von Vorräten (Abfluss von CHF –28.8 Mio.), aus der höheren Ausnutzung der Kreditlimite aus dem Konsortialkredit (Zufluss CHF +10.0 Mio.) finanziert worden ist.

Ereignisse nach Bilanzstichtag

Nach dem Bilanzstichtag konnten Verhandlungen mit den Pharmalys Gesellschaften über die Anpassung bestehender Vereinbarungen erfolgreich abgeschlossen werden. Einerseits hat Pharmalys Invest Holding AG die noch ausstehende Kaufpreisrate von CHF 30 Mio. an HOCHDORF vollständig bezahlt; das Geld wird u.a. zur Rückführung der Kreditlimite verwendet (siehe auch Ziffer 4 und 8 des Anhanges des konsolidierten Halbjahresabschlusses per 30.06.2021). Zudem konnte eine Vereinbarung über einen langfristigen Liefervertrag mit festgelegten minimalen Absatzmengen bis 2026 sowie ein angepasster Zahlungsplan für die nun deutlich reduzierten ausstehenden Forderungen von CHF 29.5 Mio. (31.12.2020: CHF 72.7 Mio.) mit Schwerpunkt Zahlung zum 30.06.2022 vereinbart werden.